Kenia – zwischen Himmel und Hölle, Teil 1

5. Januar 2014 | Von | Kategorie: Afrika
Brandung des Indischen Ozeans, Dhau (Fischerboot). © Willi Dolder

Brandung des Indischen Ozeans, Dhau (Fischerboot).
© Willi Dolder

Die meisten von uns kennen von Kenia lediglich die Nord- oder die Südküste und, wenn’s hoch kommt, das eine oder andere Wildreservat. Zum Beispiel den Tsavo- und den Amboseli Nationalpark und das Massai Mara Wildschutzgebiet. Also sozusagen die Sonnenseite des Landes unter dem Äquator. Wer länger im Land lebt, vielleicht dort arbeitet oder seine „alten Tage“ an der Küste verbringt, lernt aber auch die dunkleren Seiten Kenias kennen – und davon gibt es eine ganze Menge. Wir werden beide Seiten der Medaille beleuchten.

Hitze... © Willi Dolder

Hitze… oder: Gruss von Stella!
© Willi Dolder

Die Masse der Besucher reist nach Kenia, um sich ein, zwei Wochen lang an der tropischen Küste grillen zu lassen. Einige davon verbinden den Urlaub mit multikulturellen Bemühungen – oder, mit anderen Worten,  sie suchen eine schwarze Perle, sei diese nun männlich oder weiblich. Der Mzungu (Suaheli für Weisser) kann sowohl dem einen wie dem anderen Geschlecht angehören. Er/sie ist überwiegend älter und recht gut betucht. Die Einheimischen nennen ihn/sie Sugardaddy oder Sugarmami. Die Beachboys und Beachgirls, sozusagen das Gegenstück zum Sugardaddy, zur Sugarmami, sind meistens 30 bis 40 Jahre jünger als erstere. Ihr einziges Kapital, das sie haben, ist ihre Jugend und Schönheit; die setzen sie tagtäglich ein und bieten sie, natürlich gegen Entgelt, den liebeshungrigen Besuchern aus Europa an.

Schwartweisse Begegnung, Südküste  © Willi Dolder

Schwarzweisse Begegnung, Südküste
© Willi Dolder

Nicht nur die älteren Semester der europäischen Besucher haben einen Drang zu multikultureller Vereinigung. © Willi Dolder

Nicht nur die älteren Semester der europäischen Besucher haben einen Drang zu multikultureller Vereinigung.
© Willi Dolder

Tourismus ist eine der Haupteinahmequellen Kenias. Terroristische Anschläge, jedes Jahr exorbitant steigende Preise, Korruption und eine Kriminalität,
die zu den höchsten Afrikas gehört, halten immer mehr Reisende davon ab, ihren Urlaub in Kenia zu verbringen. Die amerikanische und viele europäische Regierungen warnen inzwischen ihre Bürger vor den Gefahren eines Keniabesuchs – vor allem an der Küste, in Nairobi und im Grenzgebiet zu Somalia, zu Aethiopien und zum Südsudan.

Reitkamele an der Südküste, eine der kleineren Touristen-Attraktionen. © Willi Dolder

Reitkamele an der Südküste, eine der kleineren Touristen-Attraktionen.
© Willi Dolder

Dann gibts auch noch Besucher, die wegen der Natur kommen, in die Nationalparks und Wildreservate fahren oder den Mount Kenya besteigen. Die Nationalparks und Wildschutzgebiete sind zwar in der ganzen Welt bekannt, aber das Management lässt zu wünschen übrig und ist genauso korrupt wie die meisten staatlichen Organisationen Kenias. Die Reservate bringen Geld in das überwiegend arme Land, aber der grösste Teil davon kommt jenen zugute, die eh schon viel davon haben.

Löwenpaarung, Massai Mara Game Reserve. © Willi Dolder

Löwenpaarung, Massai Mara Game Reserve.
© Willi Dolder

Eine Elefantenfamilie durchquert bei Sonnenuntergang den Uaso Njiro im Samburu. © Willi Dolder

Eine Elefantenfamilie durchquert bei Sonnenuntergang den Uaso Njiro im Samburu.
© Willi Dolder

Kenia ist eines der vielfältigsten Länder Afrikas. Vom Indischen Ozean über die Halbwüsten bis zum Hochland, das zu Zeiten der englischen Kolonialisten fest in weisser Hand war und bis zum zweithöchsten Berg Afrikas sind alle denkbaren Landschaften und Biotope vorhanden. Auch klimatisch ist das Land zu einem grossen Teil denkbar angenehm; die Küste ist zwar heiss und feucht, aber es weht fast immer ein erfrischender Wind. Die Wüsten und Halbwüsten sind ebenfalls heiss, aber mit einer niedrigen Luftfeuchtigkeit und deshalb erträglich. Das Hochland liegt auf rund 2 000 m Höhe über Meer. Tagsüber klettert das Thermometer auf 25° C oder knapp darüber, nachts fällt es auf 10 bis 12° C und man schläft tief und fest.

Jahrhunderte alte Kulturen

Die ostafrikanische Küste wurde schon früh, vermutlich ab dem 8. oder 9. Jahrhundert, von Seefahrern aus Arabien und dem Oman besucht. Es ist anzunehmen, dass bald auch Siedlungen entstanden, deren Bewohner mit den Leuten aus dem Landesinneren und mit den regelmässig erscheinenden Schiffen Handel trieben. Im 10. oder 11. Jahrhundert wurde Mombasa gegründet und der berühmte Geograph und Reisende, Al Idrisi (1100 – 1166) beschrieb Mombasa um 1150 als blühende Handelsstadt. Später entstanden weitere Städte, vor allem Gede und Malindi, gegründet von Arabern und später durchmischt mit Bantus, die aus Zentralafrika und dem Kongo nach Osten vordrangen. Gede ist wohl die am besten erhaltene alte Stadt an der ganzen ostafrikanischen Küste und ein Besuch kann nur empfohlen werden.

Eingang zur Grossen Moschee in der Ruinenstadt Gede. © Willi Dolder

Eingang zur Grossen Moschee in der Ruinenstadt Gede.
© Willi Dolder

Säulengrab eines moslemischen Imam, Ruinenstadt Gede. © Willi Dolder

Säulengrab eines moslemischen Imam, Ruinenstadt Gede.
© Willi Dolder

Malindi ist nicht gerade überwältigend schön. Es ist eine Art italienischer Kolonie, denn nirgends sonst im ganzen Land findet man soviele Azzuris wie in Malindi.
Und böse – oder wissende – Zungen behaupten, dass all die vielen, schönen Hotels mit Mafiageldern erbaut wurden. Wie auch immer: die Italos haben viel von ihrer Lebensart nach Malindi gebracht. Dazu gehören auch die Küche und italienische Lebensmittel wie Parmaschinken, Parmesankäse, Teigwaren und Rotwein. Wenig mit Italien und Leckereien zu tun hat die einzige Sehenswürdigkeit Malindis: die Vasco da Gama Säule etwas ausserhalb der Stadt, am nördlichen Ende der Casuarina Beach. Die weisse Säule erinnert an den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama, der im Februar 1498 auf seinem Weg nach Indien Malindi anlief und sich dort kurz aufhielt.

Vasco da Gama Säule in der Nähe von Malindi, das der Portugiese 1498 besuchte. © Willi Dolder

Vasco da Gama Säule in der Nähe von Malindi, das der Portugiese 1498 besuchte.
© Willi Dolder

Mombasa ist nach Nairobi die grösste Stadt Kenias; sie liegt zu 70% auf der gleichnamigen Insel. In den letzten 15-20 Jahren hat sie sich auf das südlich und nördlich gelegene Festland ausgedehnt, wo sich Industrie und Hotels angesiedelt haben. Ihre Bevölkerungszahl wird auf rund eine Million geschätzt. Interessant und besuchenswert ist in Mombasa lediglich die Altstadt (Old Mombasa) und hier besonders Fort Jesus, eine im 16. Jahrhundert von den Portugiesen errichtete Feste, die ein halbes Dutzend Mal die Besitzer wechselte. Omani eroberten das Fort mehrmals und wurden von den Portugiesen wieder vertrieben. 1895 übernahmen es die Briten und richteten es als Gefängnis ein. Seit 2011 ist Fort Jesus Unesco Weltkulturerbe.

Fort Jesus wurde Ende des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen gegründet und ist heute die meist besuchte Sehenswürdigkeit Mombasas. © Willi Dolder

Fort Jesus wurde Ende des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen gegründet und ist heute die meist besuchte Sehenswürdigkeit Mombasas.
© Willi Dolder

alte, portugiesische Skizzen in einem Raum von Fort Jesus. © Willi Dolder

alte, portugiesische Skizzen in einem Raum von Fort Jesus.
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An der Moi Avenue in Mombasa sind die "Tusks", die Stosszähne, ein Wahrzeichen. © Willi Dolder

An der Moi Avenue in Mombasa sind die „Tusks“, die Stosszähne, ein Wahrzeichen.
© Willi Dolder

Wer Zeit hat, sollte sich Old Town Mombasa anschauen, durch die engen Strassen schlendern, den Dhauhafen besuchen, in dem mit den Monsunwinden noch immer die alten Handelsschiffe aus Arabien ankommen und später, wenn der Monsun gedreht hat, wieder nach Norden segeln. Wer seinen Lieben zuhause gern ein Souvenir heimbringen möchte, findet in der Altstadt eine grosse Zahl von Andenkenläden, in denen zu 99% Kitsch angeboten und der Tourist schamlos über’s Ohr gehauen wird. Sehenswert und wie Fort Jesus in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen, sind eine Anzahl alter Häuser mit grossen, hölzernen Veranden, die mit Wäsche vollgehängt sind und so aussehen, als würden sie beim geringsten Lüftchen in die engen Strassenschluchten donnern. Die EU hat eine erkleckliche Summe Geld gespendet, mit dem die meist baufälligen Häuser aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert saniert wurden bzw. saniert werden sollen. Was man in der Altstadt ebenfalls findet: bunte, lebendige Märkte, auf denen einerseits Früchte, Gemüse, frische Fische, Nüsse und Gewürze feilgeboten werden und andererseits Kleider aller Art, überwiegend gebrauchte aus Europa, Taschen, Koffer, Schuhe – einfach alles, was man zum Leben braucht. Last but not least sollte man eines der einheimischen, nicht nur für Touristen bestimmten, Swahili-Restaurants besuchen und sich z. B. an einem gut gewürzten Fisch, Reis biryani, Pilau, Prawns oder einer Sansibar Fischsuppe laben. Man könnte süchtig werden…

Haus in der Altstadt von Mombasa. © Willi Dolder

Haus in der Altstadt von Mombasa.
© Willi Dolder

Holzveranda aus dem vorletzten Jahrhundert in der Altstadt. © Willi Dolder

Holzveranda aus dem vorletzten Jahrhundert in der Altstadt.
© Willi Dolder

 

Eine Delikatesse: frische Queen Prawns. © Willi Dolder

Eine Delikatesse: frische Queen Prawns.
© Willi Dolder

Im zweiten Teil werden wir uns ins Landesinnere aufmachen, durch die Halbwüste des Tsavo fahren, den gleichnamigen Nationalpark erkunden, die Rennstrecke Mombasa-Nairobi kennen lernen und nach einem kurzen Stopp in Nairobi das wohl berühmteste Tierparadies Afrikas, die Massai Mara, ansteuern.

© Text Willi Dolder

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3 Kommentare auf "Kenia – zwischen Himmel und Hölle, Teil 1"

  1. Mel sagt:

    Ein wirklich sehr gelungener Beitrag zu Kenia, der Lust auf Teil 2 der Artikelreihe macht!

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