Wandern auf Mallorca – 5 Tage durch das Serra de Tramuntana Gebirge


Wenn die Hochsaison auf Mallorca vorbei ist und die Strände leerer werden, aber die Sonne und die Temperaturen noch angenehm sind, ist die balearische Insel perfekt geeignet zum Wandern. 

Magische Stimmung am frühen Morgen im Tal von Sóller

So zog es mich im Oktober letzten Jahres nach Mallorca, genauer gesagt auf den Fernwanderweg GR 221, den Trockenmauerweg auf Mallorca, der bekannt ist für spektakuläre Wanderrouten mit einmaligen Ausblicken. 

Entlang der Nordküste der Insel und durch das parallel davon laufende Serra de Tramuntana Gebirge, schlängelt sich die Trockenmauerroute etwa 140 km lang. Auf dem Weg findet sich eine atemberaubende Landschaft, entlang historischer Spuren und spannender Architektur. Die Trockenmauer Bauten der Serra de Tramuntana wurden im Jahr 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe in der Kategorie Kulturlandschaft ernannt.

Geografisch ist der Wanderweg im Norden der Insel Mallorca einzuordnen und führt von Port d’Andratx bis nach Pollença. Natürlich können auch nur Abschnitte oder einzelne Etappen des Weges begangen werden. Die Route ist außerdem in beide Richtungen begehbar. 

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Auf der gesamten Strecke gibt es acht Refugios, also offizielle Wanderhütten, welche Wanderer zum Einkehren und Übernachten einladen. Hier sollte man im Vorhinein sichergehen, ob zum Zeitpunkt der geplanten Wanderung noch genügend Betten frei sind, da die Hütten nicht allzu groß sind und auf dem GR 221 oftmals die einzigen Unterkünfte darstellen. Auf der interaktiven Karte sind die Hütten in denen ich einkehrte eingezeichnet (orange), sowie ein paar interessante kulturelle Sehenswürdigkeiten, die im Blogartikel genannt werden (violet).

Ein kleiner Tipp für alle, die noch nie in einer Wanderhütte übernachtet haben: Hier sind größtenteils gemischte Schlafsäle mit Doppelstockbetten zu finden, die Platz für teilweise bis zu 30 Personen haben. Das kann sehr gemütlich und familiär sein, aber durchaus eine Herausforderung für einen angenehmen Schlaf darstellen.

Refugi auf Mallorca
Eine typische Wanderhütte auf dem GR 221

Meiner Erfahrung nach sind die Wanderhütten jedoch eine durchaus positive Erinnerung, da jeder die gleiche Route wandert, kann man sich nicht nur über eigene Erfahrungen austauschen, sondern fühlt auch eine Art Verbundenheit, da jede Person die gleiche Herausforderung auf sich genommen hat. 

Ich wanderte nicht die gesamte Strecke des GR 221, da ich nur sechs Tage Zeit hatte. Meine Route startete in Valdemossa, einer malerischen kleinen Stadt, die etwa mittig im Gebirge liegt und von Palma schnell erreicht werden kann. Von dort aus sind es gut 90 km auf dem GR 211 bis nach Pollença, dem Endpunkt des Fernwanderwegs. 

Etappe 1: Valdemossa nach Deià

GR 221 auf Mallorca
Die Etappe von Valdemossa nach Deià

Nach der Ankunft in Palma, ging es zunächst mit dem öffentlichen Busverkehr Richtung Valdemossa, dem Startpunkt meiner Wanderroute. Valldemossa ist eine schöne kleine Stadt, bestehend aus kleinen Gassen, einem königlichen Kloster, umgeben von wunderschöner Natur. Ein Ort, an dem ich länger hätte bleiben können, doch ich war zum Wandern da, und das erste Ziel wartete schon. 

Die Strecke am ersten Tag führte über 10 km nach Can Boi, dem Refugi, das im Ort Deià liegt. Die Wanderzeit beträgt etwa vier Stunden und führt 550 m bergauf und 780 m bergab. Landschaftlich gesehen ist die Etappe einmalig: Viel Waldweg, Ausblick bis zur Küste und als Belohnung des Aufstiegs auf den Es Caragoli Gipfels, begrüßt einen der spektakuläre Rundumblick über die Küste und Umgebung. Danach geht es dann durch Wälder hinunter Richtung Deia. Ein traumhaft schönes Bergdorf, gelegen in einem Tal und umgeben vom Gebirge. Wem die Füße nach der Wanderung noch nicht wehtun, kann von dem Refugi nochmal 3,5 km an die Küste gehen, um am Strand von Deià sich zu erfrischen. 

Etappe 2: Deia nach Port de Sóller

GR221 Mallorca
Wunderschöne Strecke des Trockenmauerwegs entlang der Küste

Die zweite Etappe ging entlang der Küste und an Steilhängen vorbei, bis zum Refugi Muleta. Mit ebenfalls 10 km Strecke und einer Gesamtzeit von etwa drei Stunden, war die Etappe gut zu bewältigen. Anstieg gab es kaum, da sich der Weg größtenteils direkt an den Steilklippen entlang schlängelte. Türkisblaues Wasser zur einen Seite und dichter grüner Pinienwald zur anderen – so ließ es sich wandern.

Die Ankunft war mindestens genauso atemberaubend wie die Wanderung an sich: Denn das Refugi Muleta, die Unterkunft für die nächste Nacht, lag am Eingang der Bucht von Port de Sóller und thronte auf einer Klippe, sodass man einen grandiosen Ausblick auf die Bucht hatte. Von der Hütte aus kann man innerhalb von 20 Minuten in den Ort laufen, um am Strand zu entspannen, eine Runde schwimmen zu gehen oder in einem der unzähligen Restaurants den Abend ausklingen lassen. Das letzte Highlight des Tages war der klare Sternenhimmel bei Nacht und die einmalige Aussicht vom Schlafsaal auf das Meer.

Etappe 3: Port de Sóller nach Tossals Verds

Ausblick über Port de Soller
Etappe 3: Vom Refugi geht es los über Port de Sóller – mit einem grandiosen Ausblick

Die dritte Etappe der Tour, die von Port de Sóller bis zur Hütte Tossals Verds führte, war mit Abstand die längste der Tour. Auf der rund 26 km langen Strecke geht es zunächst über Port de Sóller in die weiter im Landesinneren gelegene Stadt Sóller. Sóller wurde durch die zahlreichen Orangenhaine in der Gegend sehr wohlhabend und zieht heutzutage viele Touristen an. Zahlreiche Cafés und Restaurants sind in der charmanten Stadt zu finden, in denen man den Trubel beobachten kann. 

Viel Zeit in der Stadt blieb nicht und die Schilder des GR 221 führten weiter. Sobald man die Stadt verlässt, geht der Weg weiter in das Tal, das vor Orangenplantagen und Olivenhaine nur so strahlt. Die Kulisse ist einzigartig, unter anderem weil sich vor einem die Bergwelt erstreckt. An den Ausläufern der höchsten Berge der Insel schlängelt sich der Weg hoch zum Puig de l’Ofre. Während des anstrengenden Anstiegs hat man jedoch eine atemberaubende Aussichten auf das Tal und die Bucht von Port de Sóller.

Oben angekommen erwartet einen eine Bergwelt vom Feinsten: Stauseen, Naturschutzgebiet und Bäche bis das Auge reicht. Im Schatten der Bäume kannst du eine Pause einlegen und die Aussicht auf den tiefblauen See genießen. 

Stausee auf dem Weg des GR 221
Oben am Puig de l’Ofre angekommen bietet der Stausee einen perfekten Pausenplatz

Nach weiteren sechs Kilometern und insgesamt 9 Stunden auf den Beinen, war die Ankunft im Refugio wohltuend. In jeder Hütte gibt es übrigens am Abend für alle Wanderer und Wanderinnen warmes Essen.

Etappe 4: Tossals Verds nach Son Amer

GR221 auf Mallorca
Einzigartiger Ausblick am Pass Coll des Prat

Obwohl der vorherige Tag lang war, ließ der nächste Tag nicht auf sich warten. In der Früh hieß es wieder rein in die Wanderschuhe, Proviant einpacken und los gehts. 

Es geht nach Son Amer, das Refugi in der Nähe von Lluc und rund 15 km entfernt. Doch davor warten einige Höhenmeter. Es ging durch einsame Bergwelt und über den höchsten Pass der Insel: Dem Coll des Prat. Auf einer Höhe von 1.210m hatte man einen grandiosen Ausblick in alle Richtungen und sich eine Pause mehr als verdient. Die zweite Hälfte der Etappe, also noch etwa sieben Kilometer, ging es größtenteils bergab im Gelände, bevor der Weg über Lluc wieder hoch zum Refugi führte. 

Die Hütte liegt nämlich auf einem Hügel mit Ausblick auf das Tal und den Ort Lluc. Dieser ist ein Wallfahrtsort, der von vielen Pilgernden besucht wird. Auf der großen Anlage sind neben der Kirche, Museen und einem botanischen Garten auch ein Café und ein Bistro zu finden, wo man sich nach der Wanderung mit Kaffee, Kuchen oder Limonade erfrischen kann. 

Etappe 4: Son Amer nach Pont Roma

Gr221 Mallorca
Ein typischer Wanderpfad auf dem GR221

Die letzte Etappe des GR 221 führt vom Refugi Son Amer, zur Wanderhütte Pont Roma, die sich in Pollença befindet. Der Weg führt größtenteils bergab, da man nun das Gebirge verlässt und ins Flachland Richtung Küste wandert. Rund 16 km Weg führen zunächst durch Wald, bevor es am Ende entlang eines Baches und teilweise auch neben der befahrenen Straße entlang geht. Nach den Höhenmetern der Tage zuvor ist diese Etappe auf jeden Fall ein Kinderspiel. Frische Waldluft mit einem Hauch salziger Meeresbrise mischte sich unter die Nase und entfachte Vorfreude, das Ziel bald erreicht zu haben. Belohnt wird man nach den 16 km mit einer schönen und renovierten Wanderhütte in Pollenca, von der aus man innerhalb 10 Minuten in den Ort laufen kann und entweder auf dem Markt oder in Cafés leckere Köstlichkeiten oder Souvenirs ergattern kann. 

Da während der fünftägigen Tour das Wetter nicht immer mitspielte und eine Etappe aufgrund starken Windes nicht begehbar war, habe ich am Tag  nach der letzten offiziellen Etappe noch einen kleinen Abstecher gemacht. Da das Wetter schön war und die Beine noch nicht müde genug, wollte ich zum Cap de Formentor, einer Landzunge, die nord-östlich von Port de Pollença in das Meer ragt. Riesige Felsformationen, die die letzten Bergketten des Serra de Tramuntana bilden, bescheren dort einen einzigartigen Ausblick. Auch zum Baden laden die malerischen Buchten zwischen den gigantischen Felsen ein. 

GR 221 Mallorca
Wunderschöne Buchten am Cap de Formentor laden zum Baden ein

Cap de Formentor ist bei vielen Touristen und besonders an Wochenenden und in Ferienzeiten sehr beliebt, weshalb es auf den Straßen und am Leuchtturm echt voll werden kann. Überleg dir also vorher gut, wann und wie du anreisen möchtest, damit du den magischen Ort genießen kannst.  

Mein Fazit

Insgesamt hat mich vor allem die Abwechslung des GR 221 fasziniert – Wandert man einen Tag entlang der Steilklippen an der Küste, so findet man sich am nächsten Tag inmitten von Orangenplantagen, bevor man nachmittags auf einem der Gipfel steht, umgeben von Wäldern und Seen. 

Die Route des Trockenmauerwegs hat wirklich für jede/n etwas zu bieten und man wird jeden Tag aufs neue überrascht von der beeindruckenden und nicht endenden Natur Mallorcas. 

GR221 Mallorca
Die malerische Bucht von Port de Sóller
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